Unknown – Kapitel 1 -

17 07 2009

Der Regen plätschert gegen das geschlossene Fenster. Ich sitze auf einem maroden alten Holzstuhl in meinem ein Zimmer Appartement. Wie konnte es soweit kommen? Was habe ich nur falsch gemacht? Immer wieder dieselben Fragen, die ich mir stelle. Jedoch fallen mir keine Antworten ein. Nichts ist mir mehr geblieben.
Ich lehne mich zurück, starre an die vergilbten Wände und zünde mir eine Zigarette an. Nur ein kleiner Runder Tisch, ein altes durchgelegenes Bett sowie eine Kommode befinden sich in diesem Raum. Auf der Etage gibt es eine Toilette und eine Dusche für ca. acht Personen.
Wie konnte ich da nur rein geraten. Keine Perspektive. Alles hatte so gut angefangen. Doch dann wendete sich das Blatt. Nun sitze ich in einer heruntergekommenen Behausung und zähle die Minuten.

Ich muss da wieder rauskommen. Ich habe es schon einmal geschafft. Natürlich war auch Glück dabei, aber ich habe es aus eigener Motivation geschafft.

Ich stehe auf und gehe rüber zum Fenster. Das prasseln des Regens wirkt beruhigend. Ich öffne das Fenster und puste den blauen Dunst meiner Zigarette in den Abendhimmel dieser mich verschlingenden Großstadt. Hier bin ich nur ein unbedeutender Niemand. Keiner kennt mich. Keiner weiß, was ich zuvor gemacht habe. Das könnte doch auch meine große Chance sein.

Der Mond scheint sehr hell in dieser trüben Nacht. Ich stelle mir den Stuhl vor das geöffnete Fenster, den Aschenbecher und meine Zigaretten lege ich in meinen Schoß und lasse das vergangene einmal Revue passieren.





Der Waldrand

17 07 2009

Es war ein gewöhnlicher April Freitag. Die Sonne ist bereits vor einigen Stunden untergegangen.
Ich war gerade bei Freunden zum Abendessen. Anschließend haben wir uns wie es so üblich ist noch unterhalten und ein paar Gläser Wein getrunken.
Meiner Frau ging es nicht so besonders. Sie wollte an diesem Abend lieber zu Hause bleiben.
Es war schon spät als ich mich auf den Weg nach Hause machte. In diesem Moment hätte ich lieber das Auto dabei gehabt. So lag noch ein einstündiger Fußmarsch vor mir. Als ich gerade die große Kreuzung vor dem Rathaus überquerte, viel mir ein, dass es schneller und bequemer wäre, die Abkürzung über den Feldweg am Waldrand zu nehmen.
Das Feld führt direkt am Wald vorbei.
Ich kenne diesen Wald sehr gut. Schon als Kind sind meine Freunde und ich dort zum spielen durch das Dickicht des Waldes geturnt. Wir haben uns Lager gebaut und sind in die Bäume geklettert. Als ich gerade acht oder neun Jahre alt war, schaffte ich es bis in die Krone des höchsten Baumes der ersten Lichtung zu klettern.
Ich bildete mir also ein, diesen Wald zu kennen. Zudem bin ich kein Feigling und muss keine Angst haben einem dunklen Wald auf einem nicht beleuchteten Feldweg.

Es dauerte keine fünf Minuten bis ich an besagtem Weg ankam.
So nur noch die ein bis zwei Kilometer Feldweg, einmal links und wieder rechts, schon bin ich zu Hause. Meine Frau schläft sicher schon. Sie ist bestimmt auf dem Sofa beim lesen oder fernsehen eingeschlafen.
Nun ja, in einer Viertelstunde werde ich dort sein und es sehen.

Ich hatte bereits einen drittel des Weges hinter mich gebracht, da hörte ich ein leises rascheln im Wald. Da das mit Sicherheit nur die Tiere des Waldes sind, habe ich dem keine weitere Beachtung geschenkt.
Ein wenig mulmig wurde mir jetzt schon. Es war doch dunkler als ich dachte.

Die hälfte des Weges lag nun hinter mir und mittlerweile war ich wieder etwas beruhigter.

Mir viel gerade ein, dass ich vergessen habe bevor ich gehe in den Briefkasten zu gucken. Das hatte ich meiner Frau doch versprochen. Sollte etwas Wichtiges dabei sein, werde ich es ihr gleich hineinbringen, sagte ich zu ihr. Passt schon. Ich sehe einfach jetzt nach, wenn ich da bin.
Nun erkannte ich bereits in der Ferne die Straßenlaterne, welche den Weg direkt am Ende des Waldrandes beleuchtet. Gleich bin ich zu Hause.
In diesem Moment hörte ich plötzlich Stimmen aus dem Wald. Ich blieb stehen, ging etwas näher an die Büsche heran. Es war zu dunkel. Ich sah nur die ersten Bäume und schließlich ein dunkles nichts.
Ich blieb eine Weile stehen, um zu lauschen.
Da, wieder. Stimmen. Sie scheinen sehr weit entfernt zu sein. Ich blieb wie angewurzelt stehen und ging immer wieder kleinere Schritte nach vorn und wieder zurück.
Wieder. Stimmen. Es schienen unterschiedliche Stimmen zu sein. Ist es ein lachen?
Ein Schrei ertönte und verhallte in eisiger Stille. Nun wurden die Stimmen lauter. Kamen sie näher?
Nun wiederholten sich die Schreie.
Ich wagte mich nun einige Meter in den Wald hinein. Nur so weit, dass ich den Weg noch sehen konnte.
Nichts. Nichts mehr passierte. Stille.

Ich wollte gerade weiter gehen – da wieder diese Stimmen. Der Wind um mich herum wurde immer stärker. Vielleicht habe ich mich geirrt und es waren nur die Blätter der Bäume die im Wind aneinander rasselten. Ja, das wird´s gewesen sein.

Ich gehe lieber weiter – da ist schon nichts.

Ich lief schnell zurück zum Weg und setzte meinen Heimweg fort. Zwischendurch hörte ich immer wieder dieselben Geräusche, machte mir aber keine Gedanken mehr darüber.
Kurz darauf kam ich zu Hause an. Meine Frau lag bereits im Bett.
Ich setzte mich noch ein paar Minuten vor den Fernseher und sah mir die Wiederholungen des Nachmittags an.

Irgendwie muss ich eingeschlafen sein. Plötzlich weckte mich meine Frau, ihr ging es sichtlich besser, und ich sah auf die Uhr.

Oje, es war bereits nach elf und ich wollte an diesem Samstag doch noch unbedingt das Auto waschen. Meine Frau brachte mir einen herrlich duftenden Kaffee und gab mir die Zeitung.

Als ich die zweite Seite aufblätterte traf mich der Schlag – Ich wurde kreidebleich und verbrühte mich an dem heißen Kaffee, der sich über meinem Schoß ergoss.

ENDE








Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.